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Über Autismus

Wir verstehen und erleben Autismus als eine besondere Form der Wahrnehmungs- und Reizverarbeitung, die viele Ressourcen beinhaltet, welche konstruktiv und für die Betroffenen stärkend im therapeutischen Prozess genutzt werden können. Für uns macht jedes Verhalten, welches ein Mensch mit autistischen Verhaltensweisen zeigt, einen Sinn für den Betroffenen. Es ist Ausdruck seiner individuellen Bewältigung von Strukturen, die ihn überfordern.

Mehr zu unserem Menschenbild

Im Internet findet man einige Beiträge von Asperger-Autisten, die ihr Empfinden als „Oops, wrong planet“ beschreiben. Sie kommen sich vor, als wären sie auf einem Planeten gelandet, dessen Sprache, Regeln und Bewohner sie nicht verstehen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, den Betroffenen und dessen Umfeldern ein besseres Verständnis und eine gute Integration der Besonderheiten zu ermöglichen. Dabei übernehmen wir eine Art „Dolmetscher Funktion“, um beide Seiten zu einer besseren Verständigung zu führen.

In der Therapie und Beratung entsteht ein Dialog zwischen Klienten, Therapeuten und Bezugspersonen, der sowohl die Möglichkeit zur Auseinandersetzung und zur Beziehungsgestaltung bietet, als auch die Fähigkeit zur Anpassung auf beiden Seiten fordert.

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass es eine sehr große Bandbreite in der Verteilung autistischer Besonderheiten gibt, die von leichten autistischen Verhaltensweisen bis zum Vollbild des Autismus reichen. Daher werden die alten Klassifizierungen in Asperger Syndrom und frühkindlichen Autismus zunehmend durch den umfassenderen Begriff „Autismus Spektrum Störung“ (ASS) abgelöst. Wir begrüßen diese Entwicklung, da sie Autismus im Blick der Öffentlichkeit zunehmend individualisiert.

Zwar ist die Verwendung des Begriffs „Autismus Spektrums Störung“ fachlich korrekt, doch etwas, was als Störung bezeichnet wird, ist nach unserem Verständnis nicht erwünscht. Wir vermeiden daher bei unserer Arbeit bewusst die Verwendung des Störungsbegriffs, da er sich nicht mit unserem Verständnis der autistischen Besonderheiten deckt. So wird der Begriff der Störung nur im Abschnitt „Definition von Autismus“ Verwendung finden, da sich dieser, zum bessern Verständnis, an der diagnostischen Zuordnung des Autismus orientiert, die leider, wie alle diagnostischen Verfahren, defizitorientiert ausgerichtet ist.

Autismus wird medizinisch den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und ist gekennzeichnet durch eine anlagebedingte Veränderung in verschiedenen Bereichen.

Definition von Autismus (Autismus Spektrum Störung ASS)

Soziale Interaktion:
Die Betroffenen zeigen Auffälligkeiten in sozialen Beziehungen, mit einem geringen Interesse für die Befindlichkeiten oder Bedürfnisse ihres Gegenübers. Zumeist verfügen sie nur über geringe Fähigkeiten, Emotionen bei anderen Menschen und sich selbst wahrzunehmen sowie eigene Gefühle adäquat einzuordnen.

Verbale und nonverbale Kommunikation:

Die Sprachentwicklung verläuft zumeist auffällig. Sie sprechen auffallend früh, oder die Sprachentwicklung verzögert sich oder bleibt aus. Auch auffällige Sprachmodulation kommen vor. Sie sind nur schwer in der Lage nonverbale Signale ihres Gegenübers zu erkennen oder zu deuten.

Interessen:
Die Interessen und Aktivitäten sind zumeist sehr eingeschränkt, was sich in immer wiederkehrendem Spiel oder auch ständiger Beschäftigung mit einem bestimmten Thema zeigt. Sie bevorzugen wiederkehrende Rituale und Abläufe, die ihnen Vorhersehbarkeit und Sicherheit bieten, für ihre Familien aber oft eine hohe Belastung bedeuten.

Die Ursachen des Autismus sind noch nicht vollständig geklärt. Belegt ist, dass die Entwicklung des Gehirns bei Autisten verändert verläuft und einige Hirnareale anders verknüpft werden als bei nicht autistischen Menschen.

Bisher wurde Autismus durch die "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (ICD-10) diagnostisch unterteilt in:

F.84 tiefgreifende Entwicklungsstörung
F.84.0 frühkindlicher Autismus
F.84.1 atypischer Autismus
F.84.10 Autismus mit atypischen Erkrankungsalter
F.84.11 Autismus mit atypischer Symptomatologie
F.84.5 Asperger Syndrom

Heute begreift man alle Formen des Autismus als Varianten innerhalb eines weiten Spektrums, so dass zunehmend der Begriff Autismus-Spektrums-Störung Verwendung findet.

Inklusion

Am 26. März 2009 erlangte die UN-Behindertenkonvention in Deutschland Rechtskraft. Die Forderung nach Inklusion von Menschen mit Behinderung stellt einen Paradigmenwechsel in der Heil- und Sonderpädagogik dar. Sie betont den Aspekt des „verstärkten Zugehörigkeitsgefühls“ (enhanced sense of belonging).

Teilhabe (Definition WHO 2001):

Einbezogenheit in eine Lebenssituation Soziale Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben. Teilhabe bedeutet, unter normalen Bedingungen am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, insbesondere am Unterricht einer Regelschule oder am Arbeitsleben und am politischen Leben teilnehmen zu können.

Infos

Ansprechpartnerin

Nicole Roßbach

Tel: 0251 - 37 88 64
Fax: 0251 - 37 88 55

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