Hubert Gerlich, promovierter Historiker, ist einer von 19 Mentoren und Mentorinnen,
die das Deutsche Rote Kreuz für das Schulprojekt „Fit für den Job“
gewinnen konnte. Der Übergang von der Schule in den Beruf gestaltet sich
gerade für junge Migrantinnen und Migranten schwierig. „Die Eltern sind
oft überfordert damit, die Kinder zu unterstützen“, sagt
Projektleiterin Irina Loucatos. „Sie haben sprachliche Schwierigkeiten
oder ihnen ist das deutsche Bildungssystem nicht vertraut.“
So war es auch bei Sedath. Der Zehntklässler und Sohn türkischer Eltern
wusste nicht, wie es nach dem Realschulabschluss im Sommer weitergehen
sollte. Er hätte gern eine Ausbildung im Bereich Abwassertechnik
gemacht, aber sämtliche Bewerbungsfristen verpasst. Auch für die
Alternative Berufskolleg hatte er die Anmeldefristen verpasst. „Oft geht
es darum, einen konkreten Anschluss zu finden“, so die Erfahrung von
Irina Loucatos. Hier kommen die Mentoren und Mentorinnen ins Spiel. Sie
helfen ganz praktisch. Sie unterstützen beim Erstellen von Bewerbungen,
bei der Recherche auf dem Arbeitsmarkt, sie können Türen öffnen und
dabei helfen, eine Praktikums- oder Ausbildungsstelle zu finden.
Du kannst mehr Selbstbewusstsein zeigen
Das hat auch Hubert Gerlich, der Mentor von Sedath, getan. „Wir haben
ein Profil erstellt, über Stärken und Schwächen gesprochen, nach
Alternativen gesucht, Bewerbungsunterlagen vorbereitet und
Bewerbungsgespräche geübt.“ Der Mentor hatte zwölf Firmen ausfindig
gemacht, die noch offene Ausbildungsplätze haben. Er machte dem
schüchternen Schüler Mut: „Sedath, du kannst was! Du kannst mehr
Selbstbewusstsein zeigen.“ Mit Erfolg: Ab August mach er eine Ausbildung
zum Mediengestalter.
Beide gewinnen
Etwa einmal in der Woche treffen sich die Mentoren mit ihren Mentees.
Die Begleiter selbst kommen monatlich zusammen, tauschen sich aus,
nutzen Fortbildungen, z.B. in interkultureller Kommunikation. Aus Sicht
der Projektleiterin profitieren im Mentoring tatsächlich beide: „Für die
Jugendlichen ist die Eins-zu-Eins-Betreuung ein absoluter Gewinn“, sagt
sie, aber auch die Erwachsenen machen neue Erfahrungen, wenn sie die
Spannungsfelder kennenlernen, in denen jugendliche Migranten sich
zurechtfinden müssen.“ Hubert Gerlich war zum ersten Mal Mentor und weiß
schon jetzt, dass er weitermachen will. „Das ist eine sehr schöne
Erfahrung.“
Stimmen zum Projekt:
„Ob Sedath auch ohne das Mentoring einen Ausbildungsplatz gefunden
hätte? Das kann ich nicht sagen. Sicher habe ich einen Anteil, aber er
hat die Hilfe, die ich ihm angeboten habe, aktiv genutzt.“
(Hubert Gerlich, Mentor)