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Ganztagsübung 2006 - Fortsetzung

Wie auch in den zurückliegenden Jahren wurde die GTÜ in Zusammenarbeit mit anderen Staffeln, und zwar diesmal mit den Rettungshunde-Staffeln Altena und Recklinghausen, vorbereitet und durchgeführt. Am 2. September war es dann soweit. Frühmorgens hieß es: „Einsatzfahrzeuge im Kreisverband Münster und Gemeinschaft Nienberge besetzen.“ Alle Staffelmitglieder standen zur Verfügung. Dann zügige Fahrt ins Sauerland, genauer in die Nordhelle bei Lüdenscheid, ein für uns Flachländer schon anspruchsvolles hügeliges, bewaldetes und weitläufiges Naturschutzgebiet. Dort warteten schon die anderen Teilnehmer.

Nach herzlicher Begrüßung wurden die Teilnehmergruppen zusammengestellt, schön gemischt aus den verschiedenen Staffeln. Denn die GTÜ dient auch dazu, die Zusammenarbeit, Teamfähigkeit und den Zusammenhalt auch mit staffelfremden Personen und die Verträglichkeit unter den verschiedenen Hunden zu überprüfen und zu trainieren. Wie es halt im richtigen Einsatz eben verlangt wird. Jede Gruppe (insgesamt fünf in einer Stärke von 3 – 5 Personen) erhielt ein Aufgabenblatt mit der ersten Aufgabe, Angabe von Koordinaten und Marschzahlen, um den ersten Zielpunkt ausarbeiten und erreichen zu können. Natürlich waren die Aufgaben unterschiedlich, so dass die Gruppen den Sammelplatz in verschiedene Richtungen verlassen mussten.

Vorgesehen war eine Marschleistung von rd. 15 km und das Erreichen von mehreren Stationen, an denen unterschiedliche Aufgaben zu erledigen waren. Start 10.30 Uhr. Karte und Kompass waren unentbehrliche Helfer. Und damit ging’s los. Wie war das noch mal, Karte Einnorden? Ach ja, so ging’s. Und die Koordinaten aus dem UTM-Gitter rausarbeiten? Genau, so macht man das. Häufig gemacht, fast wieder vergessen. Aber im Team (unsere Gruppe (Tanja aus Recklinghausen mit ihrem jungen Hund, Martina aus Steinfurt mit Andra und ich selbst mit Ben) arbeitete gut zusammen und konnte relativ zügig die erste Station anlaufen.

Hier wartete die fachkundige Edi auf uns, die uns mit einem Fachfragenbogen traktierte und zu allem Überfluss darauf bestand, dass jeder von uns an seinem eigenen Hund einen einwandfreien Pfotenverband anlegte. Eine gute Übung für den Hund, insbesondere aber für den Hundeführer. Geschafft. Edi war zufrieden und entließ uns mit neuem Aufgabenzettel. Koordinaten, Marschzahl, Himmelsrichtung und andere Details waren zwar vorgegeben, die Orientierung und das Auffinden der nächsten Station erforderten aber doch intensive Detailabstimmungen untereinander.

An der zweiten Station wurde das biologische Fachwissen über Flora und Fauna in der Nordhelle intensivst geprüft. (Verdammt lange her, dass man in der Schule Bio-Unterricht hatte!). Außerdem wollte man doch allen Ernstes viele taktische Zeichen von uns wissen. Wer kann die eigentlich alle behalten? Die Hunde entspannten sich bei einer kleinen Spielübung. Neue Aufgabe erhalten, und ab ging’s. Aus unserer Gruppe verblieben ab da nur Martina und ich nebst Hunden, da die dritte Teilnehmerin aufgrund einer Pfotenverletzung ihres Hundes aufgab. Eigenartig, der erste Teil des Weges zur nächsten Station. Glitschig, rutschig, feucht, teilweise mit Wasser überspült. Waren wir eigentlich noch richtig? Wie vom Himmel geschickt erschien just ein ortskundiges Wandererpaar. Klar, ihr seid richtig! Aber wer hat eigentlich diesen Weg vorgegeben? Es handelt sich hier um einen Bachlauf, der bei Regenwetter nicht begehbar ist! Aber an diesem Samstag war das Wetter ja trocken, sonnig und warm.

Allmählich merkte ich doch, dass mein Rucksack – wie immer auf alle Eventualitäten ausgerichtet – ziemlich schwer war. Aber Zähne zusammen und durch! Da war sie dann, die nächste Station. Eine Verpflegungsstation. Super. Endlich frischen Kaffee und herrlich, frischer Kuchen. Aber nichts gibt’s umsonst. Georg traktierte uns mit Fragen zum Kompass und zur Kartenarbeit. An dieser Station traf man auch andere Teilnehmer und erhielt Infos, wo Gruppe X bleibt und dass Gruppe Y das Waldwandern so schön findet, dass man extra lange Wege geht. Auf der einen Seite ganz amüsant, aber bloß nicht schadenfroh sein, denn wer weiß, was einem selbst noch so alles an diesem Tag passiert.

Nächste Station gefunden. Christiane und Sylke harrten der Hundeführer, um sie durch Gedulds- und Geschicklichkeitsspiele aufzulockern. Na ja, ich habe bestimmt schon mal eine bessere Figur abgegeben, als mit zwischen den Knien gepresstem Fußball einen Slalomparcours um rot-weiße Hütchen mit Hund bei Fuß zu laufen. Die Fotos hiervon werde ich bestimmt vernichten. Da sah das bei Martina schon wesentlich eleganter aus. Neue Aufgabe. Marschzahl, Koordinaten und Streckenlänge wurden angegeben. Ziel war eine Schatztruhe in der Nähe des Sportplatzes. Stolz kam auf, als wir diese dann tatsächlich auch fanden. Wir bedienten uns aus der Kiste und machten uns dann auf den (zu erarbeitenden) Weg zur nächsten Station. Hier mussten wir eine am Kopf verletzte Person sanitätsdienstlich versorgen. Selbstverständlich unter strenger Aufsicht und Bewertung fachkundiger Helfer. Inzwischen ist es später Nachmittag geworden, der Rucksack wurde zwar leichter, da Wasser und Getränke für Hund und Hundeführer permanent konsumiert wurden (wieso war es an diesem Samstag eigentlich sooo warm!), dafür wurden die Beine aber schwerer, die ersten wunden Stellen am linken Fuß spürte ich auch schon.

Und dann verlangten Marion und Edi an der nächsten Station auch noch, dass wir aus wahllos ausgesuchten Worten ein nettes lustiges Gedicht mit halbwegs sinnvollem Inhalt schufen. Da war die Aufgabe für die Hunde aber schon einfacher, denn es wurde hier nur die Futtergier getestet. Apropos Hunde. Es war natürlich klar, dass wir hier im Naturschutzgebiet unsere Hunde stets an der Leine hielten. Als nächste Aufgabe sollten wir in einem kleinen Örtchen nach längerem Marsch über asphaltierte Straßen (oh meine Füße!) eine braun gestrichene Garage suchen (klar, wurde gefunden), von dort ging’s dann nach weiteren Koordinaten und Angabe von Himmelsrichtung wieder in bewaldetes Gebiet, um an einem bestimmten Hochsitz die Anzahl der Leitersprossen zu zählen. War nicht leicht zu finden. Am Horizont brach schon die Dämmerung herein. Gut, dass wir einen Jägersmann trafen, der ortskundig und sehr hilfsbereit war.

Und endlich. Das Ziel. Die letzte Station an der Waldgaststätte. Hier wartete Wolfgang, ein erfahrener Hunde-Physiotherapeut, auf uns. Er zeigte uns verschiedene, hoch interessante Übungen zum Training des Gleichgewichtssinns der Hunde, zur Verbesserung des Tastsinns der Hinterhand sowie zur Vermeidung von bewegungsinduzierten Verletzungen des Hundes. 19.00 Uhr. Geschafft. Für Martina und mich war nun Schluss. Wir durften uns bereits ausruhen und den Hunden auch Erholung gönnen. Die anderen Gruppen trafen nach und nach ein. Beim gemeinsamen Abendessen wurden die Erfahrungen und Erlebnisse des Tages ausgetauscht. Anschließend wurde die interne Bewertung der einzelnen Hundeführer-Teams bekannt gegeben. Die Münsteraner Teilnehmer belegten alle sehr zufriedenstellende Plätze.

Was ist neben den wunden Zehen und den bleiernen Knochen bei mir hängen geblieben: Tolle Zusammenarbeit im Team und auch darüber hinaus. Ständige Übung, insbesondere Karte und Kompass, ist und bleibt unerlässlich. Körperliche Fitness ist ein Muss für den Rettungshundeführer und seinen Hund. Zum Abschluss möchte ich allen Helfern und Gestaltern dieses interessanten Tages danken, denn ohne diese und die intensive Vorbereitung könnte so eine Übung nicht stattfinden. Ach ja, was sagt mein Kalender für 2007: Anfang März ist unsere nächste GTÜ, also unser nächster „Ganz toller Übungstag!“ Ich freue mich schon drauf.

Reinhold E. Miethe, kurz vor Weihnachten 2006