Vielleicht erst einmal etwas vorab. Mein Name ist Anax. Ich bin der Neue in der Rettungshundegruppe Münster des DRK, die zum Ortsverein Münster Nienberge gehört. Seit Mitte August 2007 nehme ich nun regelmäßig an den Trainingstagen teil. Das lief schon recht gut, jedes Mal wenn ich in eine bestimmte Richtung (die mir mein Herrchen gezeigt hatte) gelaufen bin und einen Menschen gefunden hatte, durfte ich mit meinem Lieblingsspielzeug und meinem Herrchen spielen. Ab und zu gibt es sogar noch ein Leckerchen zur Belohnung oben drauf.
Und mittlerweile hab ich es schon raus, immer wenn Herrchen so komische Sachen anzieht und den besonderen Rucksack mit meinem Spielzeug und den diversen Leckerchen packt, dann ist etwas im Busch – dann geht es bald los. Und so war es auch am Samstag, den 23. Februar 2008. Irgendwie war das aber schon komisch, sonst konnte ich zumindest am Wochenende etwas länger schlafen. Alles war ein wenig aufregend, selbst mein Herrchen lief ständig hin und her, ich glaube der sorgte sich, irgendetwas vergessen zu können. Na egal, Hauptsache mein Futter und alles was ich brauche zum Hundsein ist dabei.
Es ging also ab ins Auto und zum Treffpunkt mit den anderen Vier- und Zweibeinern. Wir Vierbeiner kamen erstmal hinter die Gitter unserer Transportboxen in so einem großem Auto und unsere Zweibeiner machten es sich auf den gepolsterten Sitzen bequem. Endlich angekommen, durften wir noch nicht raus, sondern mussten weiter hinter Gittern warten (was haben wir eigentlich verbrochen) bis unsere Herrchen und Frauchen geklärt hatten wie es jetzt weitergeht.
Und dann ging es los (Hundegott sei Dank). Wir starteten von einem im Wald gelegenen Parkplatz und gingen in einer kleinen Gruppe mit Teams (je 1 Hund und 1 Mensch) los. Irgend so ein Mann in einem grünem Anzug hatte wohl unseren Menschen gesagt, dass wir nicht ohne Leine durch den Wald toben durften, schade ich hätte gerne mal hier und da etwas geschnüffelt. Nun ja, dann konnte ich eben nur am Weg entlang riechen wer vor mir schon mal hier gewesen ist. Viel Zeit hat mir mein Herrchen aber dafür nicht gelassen, er meinte wir müssten wichtige Aufgaben erledigen und dazu bräuchte er auch meine Hilfe (na ja, wenn er mich so lieb bittet).
An der ersten Station mussten dann unsere Menschen mit so komischen Teilen die so ähnlich wie Uhren aussahen (aber keine waren) irgendetwas auf der Landkarte einzeichnen. Ich hab mir das hinterher noch einmal erklären lassen, sie mussten mit Hilfe von einem Kompass, Koordinaten und Marschzahlen auf einer Karte sowie im Gelände bestimmen. Hätten die mich mal gefragt, ich hätte denen sofort die Schilder im Wald gezeigt. Dazu braucht Hund doch keinen Kompass.
Dann ging es weiter zu der nächsten Station, und hier kamen wir zum Einsatz – das hätte auch kein Mensch geschafft. Die Zweibeiner nahmen uns mit zu zwei Linien – etwa 2 Meter auseinander. Vor der ersten mussten wir stehen bleiben und hinter die zweite wurde ein Bockwürstchen geworfen. Meine Aufgabe war es nun, diese Bockwurst möglichst wohlerhalten wieder zurück zu meinem Herrchen zu bringen. Aber, für wie blöd hält der mich eigentlich. Ich hab mal kurz inhaliert und die Aufgabe war (in meinem Sinne) gelöst. Es soll ja tatsächlich einige gegeben haben die das Würstchen zurückgebracht haben, das waren aber wohl nur die jungen und unerfahrenen Kollegen. Wenn mein Herrchen etwas wegwirft, dann will er es doch nicht mehr haben und das kommt mir bei einem Würstchen doch gerade recht. Oder sieht das irgendjemand anders? Ach ja, sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass in der Kartoffelsuppe die den Menschen serviert wurde, keine Würstchen enthalten waren.
An der Dritten Station hatte ich dann mal wieder eine Verschnaufpause und unsere Herrchen und Frauchen mussten Knoten in Tampen (das sind kurze, etwa 2 mtr. lange Leinen) machen. Dicke Knoten (Doppelten Achter) und dünne Knoten (Palstek).
An meiner Leine sind praktischerweise ja Karabinerhaken. Ich für meinen Teil zerpflücke die Knoten auch lieber und mein Herrchen kann dann mal wieder fegen oder saugen, aber ich wurde mal wieder nicht gefragt.
Als dann endlich alles festgeknotet und angebunden war ging es weiter zur nächsten Station. Hier wurde es richtig spannend. Anstatt den Weg an den Klettersteinen entlang herunter zu gehen, nein unsere Herrchen und Frauchen (die sich das zutrauten) mussten sich abseilen lassen. Die Hundekollegen die Erfahrungen mit so etwas hatten durften auch an einem Seil mit ihrem Menschen hinuntergleiten. Hier auf dem Foto ist mein Staffelkollege Jack mit seinem Herrchen Ralph.
Entweder war ich noch zu unerfahren oder die glaubten nicht, dass ich auch in das Korsett passte das die Hundekollegen zum abseilen anziehen mussten. Ich wartete also ungeduldig unten darauf, dass mein Herrchen an der Wand entlang mit einem Seil herabgelassen wurde. Ich glaube das war ganz schön aufregend für ihn und seine Menschenkollegen. Aber das Beste war, wir mussten den ganzen Weg wieder nach oben steigen – die Menschen denken manchmal schon ein bisschen kompliziert.
Nun denn, an der folgenden – ich glaube es war die fünfte Station – wurden bis auf einem Menschen allen anderen die Augen verbunden (oh Hundegott, muss ich jetzt umschulen zum Blindenhund). Dann hieß es alles hört auf ein Kommando. Erst sollten sie ein gleichseitiges Dreieck bilden und dann noch einen Parcours mit verbunden Augen laufen. Das sah aus meiner Perspektive schon ganz gut aus aber ich glaube wir Vierbeiner wären etwas schneller gewesen. Ich wäre wohl über die Hindernisse gesprungen und hätte nicht immer die Umwege genommen, aber so sind sie nun mal – die Menschen.
Bis zur nächsten Station hatten wir mal etwas mehr Bewegung. Allerdings hatten unsere Menschen noch die Aufgabe so einige Fragen zu beantworten. So ganz ohne Publikumsjoker, Fifty-fifty-Joker und Zusatzjoker war das wohl nicht so leicht, aber Hundegott sei Dank gab es ja noch einen Telefonjoker und der (oder besser die) hat sich als wirkliche Hilfe erwiesen (Danke Sylke und Christiane).
An der sechsten Station dann angekommen, sollten wir Hunde so was wie detachieren machen, kann mir mal jemand erklären was das ist? Es gab aber noch eine Alternative, das Herrchen oder Frauchen durfte zu den 4 Punkten (hier symbolisiert durch Bänke) mitgehen, aber ohne mit den Füßen, Schuhen oder Socken den Boden zu berühren. Als Hilfsmittel gab es zwei Parka, eine Decke, einen Eimer, ein Bobbycar und ein Seil. Ja was soll ich sagen, mein Herrchen hat sich zum Affen gemacht und ist mit einem Fuß im Eimer, den anderen Fuß mit der Decke umwickelt, alles gehalten durch das Seil, eine Runde mit mir und eine Runde mit meinem Kollegen Jack über den Hundeplatz geeiert (laufen geht anders). Aber gemeinsam haben wir auch diese Aufgabe gelöst.
Im Stillen lachend über die letzte Station ging es dem Ende zu.
Eine Station, die Siebte fehlt uns ja noch. Die Menschen überlegten schon was jetzt noch kommen könnte. Eine San-Übung vielleicht, die hatten wir ja noch nicht. Und die hatten es kaum ausgesprochen, da kam auch schon eine junge Frau auf uns zugelaufen und rief um Hilfe. Ihre Freundin hatte sich im Wald beim Holz sägen, mit einer Kettensäge schwer verletzt. Unser ganzes Team eilte also zum Unfallort und während sich die Menschen um das Opfer kümmerten haben wir Hunde uns schön ruhig abgelegt und gewartet bis wir wieder gebraucht wurden. Das alles sah schon ziemlich schaurig aus. Jede Menge Blut war zu sehen (auch wenn es aus einer Flasche kam – der Adrenalinspiegel unserer Menschen stieg unaufhaltsam) und das Opfer schrie vor Schmerzen. Der Rettungswagen war bereits alarmiert und kam recht schnell zum Unfallort. Bis dahin haben sich alle rührend um das Opfer und dessen Freundin (hier kam auch noch mein Kollege Jack als professioneller Ablenker zum Einsatz) gekümmert, um dann die Verantwortung an den Notarzt zu übergeben. In der dann folgenden Besprechung wurde unseren Herrchen und Frauchen Verbesserungsmöglichkeiten in der Betreuung und der Versorgung der Verletzten aufgezeigt (auch die sind nicht immer perfekt).
Jetzt war es aber geschafft. Wir machten uns wieder auf den Weg zurück zu unserem Wagen (der mit den vergitterten Boxen – wie im Hundknast), um dann wieder zum Ausgangspunkt, der Fahrzeughalle des DRK OV Ibbenbüren zu fahren.
Einige Hunde wurden jetzt noch mal richtig schick gemacht mit einem weißem Mäntelchen und einem rotem Kreuz drauf und das alles nur für die vielen Fotografen (ist hier eigentlich jemand eitel).
Dann gab es noch frisches Wasser und ein paar leckere Häppchen zum Abschluß. Unsere Menschen bekamen dafür Bratkartoffeln und Spiegeleier, klingt aber auch nicht schlecht, oder? Ich für meinen Teil hab dann erst mal ein Nickerchen in meiner Box gemacht, das war auch dringend nötig, fehlten mir doch die sonst üblichen Stunden Büroschlaf (mein Herrchen sitzt im Büro und ich Schlafe daneben auf meiner Decke).
(Simone, Edi, Karin, Reinhold, Michael, Georg und Ralph)
Wie er mir aber später erzählte soll es noch eine Überraschung gegeben haben: Unsere Gruppe (2 Herrchen, 2 Frauchen und 4 Hundchen) hat die meisten Punkte an den Stationen gesammelt.
Das heißt: WIR HABEN GEWONNEN!!!!!
Die Chefin (Staffelleiterin) konnte es kaum glauben und musste sich noch mal über den Punkteabstand informieren. Aber egal wie klein der auch sein mag, gewonnen ist gewonnen.
Ich glaube beim nächsten Mal überrede ich mein Herrchen auf alle Fälle wieder mitzumachen. Es war schon ein toller Tag mit Spiel, Spaß und Spannung und lernen konnte man (Hund ebenso) auch noch etwas. Auch an dieser Stelle noch einen großen DANK an alle, die zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben. Die Organisation war wirklich spitze, soweit ich das mit meinen treuen Hundeaugen beurteilen kann.
Anax/Michael Halberstadt