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Orientierungslauf 21.03.2009 in Recklinghausen

von Simone Tork

Es ist Samstag, der 21.03.2009 um 6 Uhr… Der Wecker klingelt und ich glaubte es kaum:“Ich muss doch jetzt nicht aufstehen, oder?“, und just in diesem Moment wurde die Schlummer-Funktion des Weckers betätigt. Als zum wiederholten Male der Wecker klingelt,  bin ich dann endlich aufgestanden, denn es war um halb acht Treffen in Nienberge bei B. Böhr angesagt, um unser gerade frisch durch den TÜV gekommenes, 21-jähriges  DRK-Einsatzfahrzeug für unseren Weg zur  Ganztagsübung (GTÜ) startklar zu machen: Unsere Rucksäcke mit den nötigen Utensilien mussten umgepackt werden, eine Hundebox provisorisch eingebaut und natürlich nicht zu vergessen, unsere vierbeinigen Gefährten mussten auch noch in die Hundeboxen verladen werden. Gesagt getan, dann ging es los. Es war ein herrlicher Tag und die Sonne schien bereits. Perfekter konnte dieser Tag eigentlich nicht beginnen. Um acht Uhr war dann eigentlich das Treffen in Senden mit unseren anderen Rettungshundestaffelkollegen angesagt. Allerdings hatten diese ein Problem mit unserem 2. Einsatzfahrzeug, weswegen sie nach kurzer Fahrt umdrehen  und letztenendes in Privatfahrzeuge umsteigen mussten. Nach kurzer  Verspätung konnte dann die Kolonne von Fahrzeugen Richtung Datteln in die Haard abrücken und nach 1 Stunde Fahrt über Land quer durch das Münsterland  waren wir an unserem Treffpunkt in Datteln auf dem alten Zechengelände angekommen.

Dort hatten  an diesem Tag unsere Kollegen der DRK-Rettungshundegruppe Recklinghausen zum diesjährigen Orientierungslauf eingeladen.  Nachdem alle Rettungshundegruppen dort angekommen waren,  sich angemeldet hatten, die Gruppeneinteilung bekannt und die Lunchpakete verteilt waren, wurden die verschiedenen Gruppen zu ihrem Ausgangspunkt gelotst. Unsere Gruppe bestand aus  4 Personen und 3 Hunden:  Unser „alter Hase“ in Sachen GTÜ Reinhold Miethe mit seinem Langhaarschäferhund Ben, Martina Lux, Christa Stehmann aus der Rettungshundegruppe Beckum/Warendorf mit ihrem Riesenpudel Gaylen und meine Wenigkeit Simone Tork mit der Border Collie Hündin Lee.
Das heutige Gelände war die Haard in Datteln und wir bekamen eine große Karte mit der Wegroute die gelaufen werden musste. Die Strecke belief sich auf ca. 12 Kilometer mit 6 verschiedenen Stationen. Jede der 6 Gruppen wurde zu einer anderen Station gebracht, sodass die Gruppen sich untereinander nicht in die Quere kommen konnten.

Unsere Startstation war Nr. 2, das eigentliche Highlight des Tages. Zwei nette ehrenamtliche Mitglieder des DLRG konnten von den Recklinghausern für diesen Tag gewonnen werden und die Gruppen vom Ufer der Bucht eines Campingplatzes ca. 1km über den Dortmund-Ems-Kanal  mit dem Motorboot des DLRG zu befördern. Für uns war es eine interessante Erfahrung mit den Hunden Boot zu fahren und ich möchte einfach mal behaupten, dass mit Sicherheit manch einer der Zweibeiner mehr mit der Seekrankheit zu kämpfen hatte, als die Hunde überhaupt Angst hatten, denn die haben die Aufgabe mit Bravour überstanden und die Nase sichtlich in den Fahrtwind gehalten. 
 
Am anderen Ende der Bootstrecke angekommen bekamen wir dann noch einen Fragebogen, den wir dort vor Ort ausfüllen mussten. Nun wurde von uns mal wieder das Wissen aus den Prüfungsfragen abverlangt:  Wie nähert man sich einem Hubschrauber? Wie sichert man eine Person zum Abseilen? Oder welche Bedeutung haben taktische Zeichen?                                   

Alles beantwortet ging es zunächst einmal ein Stück am Ufer  des Dortmund-Ems-Kanals entlang. Dank der vorhandenen Karte haben wir dann auch recht schnell den Weg zur 3. Station mit dem Thema Geschicklichkeit gefunden.

Zunächst einmal wurden wir gefragt, welcher Hund Wasser mag oder nicht. Es war schnell klar, dass Ben und Lee die Aufgabe zu meistern hatten. Aufgabe für uns war es nun vorher zu sagen welches von den 3 Spielzeugen, die im Wasser einer Spielmuschel schwammen, unser Hund wohl zuerst rausholen und apportieren würde. Reinhold und ich lagen leider beide falsch, denn statt den orangefarbenen Gummiring oder den großen schwimmenden Nylonring, holten beide Hunde zielstrebig  den Ball aus dem Wasser. Weiterging es dann mit den Bierdeckeln. Der Hund sollte von seinem Besitzer mit allen 4 Pfoten auf den 4 Bierdeckeln platziert werden und 5 Sekunden ohne sich zu bewegen darauf stehen bleiben. Im guten Gehorsam stehend, hörten Gaylen und Ben auf das Kommando „Steh“ oder „Bleib“ ihrer Hundeführer und lösten die Aufgabe sehr schnell.

Alle Aufgaben mehr oder weniger gut gelöst, wurden wir dann zur nächsten Station geschickt und gleichzeitig in die schöne wäldliche Gegend der Haard entlassen.
Die Sonne meinte es immer noch sehr gut mit uns und nach kurzer Strecke fingen schon die Ersten unserer Gruppe an sich die erste Schicht Rotkreuzbekleidung auszuziehen und in den Rucksack zu verfrachten.

Recht schnell war dann auch der Weg zur nächsten Station gefunden. Station 4 mit dem Thema: Erste Hilfe Mensch

Wir wurden von einem Rettungssanitäter in das Fallbeispiel eingewiesen, und fanden dann schnell eine verletzte jugendliche, männliche Person, die sich bei einem Sturz über einen Zaun eine Verletzung am Bein durch einen Stacheldraht, sowie Schürfwunden an Händen und am Kopf zugezogen hatte. Schnell waren unsere Hunde in einem gemäßigten Abstand zum Opfer an einer aus Holz vorhandenen Sitzecke angebunden und in das „Platz“ gelegt und wir konnten uns nun um das Opfer kümmern. Da eine weibliche Person um das Opfer verwirrt drum herumstand, kümmerte sich ein Sanitätshelfer aus unserer Gruppe um diese Frau und bat sie, sich hinzusetzen, hat sie beruhigt und ihre Schürfwunden an den Händen versorgt. Da die Inszenierung gewollt an einem sehr engen Platz standfand, musste der Rest  der Gruppe sich kurz sortieren, denn eines wurde uns und wird ja auch immer noch in den Sanitätshelfer-Kursen gelehrt: Niemals als Helfer über das Opfer steigen geschweige denn irgendwelche große Utensilien wie z.B. eine Trage dort rüber heben.

Die verunfallte männliche Person war ansprechbar. Die Wunde am Bein war nicht sehr stark blutend und konnte von uns recht schnell mit einer sterilen Wundauflage und einer Mullbinde verbunden werden.

Ein fiktiver RTW und NEF wurde von uns per Funk angefordert. Der Bodycheck sowie die Vitalparameter wurden von uns kontrolliert und die Blutdruckmessung regelmäßig wiederholt. Infusion wurde vorbereitet. Nachdem wir die Person auf die Trage gelegt hatten und den Kopf etwas erhöht gelagert hatten, wurde unser Patient bewusstlos. Dies hieß für uns: stabile Seitenlage, die wir dann direkt auf der Trage gemacht haben, Kopf überstrecken, Mundraum kontrollieren,  sowie die Absaugpumpe bereitstellen. Nachdem wir dies alles gemacht hatten, gab man uns das OK, dass wir den Patienten auf der Trage zu einem Punkt tragen sollten, wo die Übergabe in den fiktiven RTW stattfand. Somit hieß es für uns noch einmal kurz unsere Kräfte gemeinsam anwenden, Absaugpumpe und Infusion einpacken und los ging`s.

Nach getaner Arbeit und gut gestärkt durch das Lunchpaket und die anderen Lebensmittel, die wir schon den ganzen Tag mit uns im Rucksack herum getragen haben, ging es nun etwas erleichtert  für uns weiter und wir hatten allen Grund mit unserer Arbeit als Sanitätshelfer zufrieden  zu sein. Nach kurzem Stocken und Blick auf die Karte, ob wir auch wirklich richtig waren, erklommen wir den, ich glaub, einzigen „Berg“ in der Haard und fanden dann die Station 5 vor, welche sich mit dem Thema Orientierung beschäftigte. Kaum hatten wir unsere Aufgabe bekommen, war für uns klar: Der Kompass muss her und zügig war die Marschzahl 50 bestimmt und man konnte wie gewünscht  40m in die ausgemachte Richtung  in den Wald gehen. Am Ziel angekommen, hörte man Reinhold nur rufen: „Birgit, du meinst den Baum mit dem weißen Pfeil“ und Birgit antwortete direkt: “Na, welchen Baum meinst du denn, die haben alle einen weiße Pfeile drauf!“ nach kurzem Austausch war dann klar, dass wir den richtigen Punkt meinten. Als 2. Aufgabe mussten wir dann aus drei vorgegebenen Punkten eine Kreuzpeilung erklären und unseren Standpunkt mit Hilfe dieser bestimmen. Leider war unserer Gruppe dieser Begriff nicht geläufig,  sodass Birgit Nobis  uns das Vorgehen erklärte und wir mit mehr Wissen als vorher die Station verlassen haben.
Als 6. Station war dann Erste Hilfe am Hund angesagt. Zunächst bekamen wir einen Fragebogen mit Fragen zur Symptomatik und den Maßnahmen von Hitzeschlag, Schock, bis hin zur Magendrehung und Pneumothorax. Bei den praktischen Übungen, z.B. das Fixieren eines Hund im Liegen, oder wie lege ich einen Pfotenverband an? , hatte unsere Gruppe sehr viel Spaß und auch dort hat man mal wieder gesehen, wie ruhig die Rettungshunde im Umgang mit Menschen bzw. auch bei bisher für sie unbekannten Situationen seien sollten. Während Ben den Anweisungen seines Hundeführers folgte und bei bestimmten Griffen zur Fixierung kein Ton sagte, legte sich Gaylen erst einmal in die Sonne und machte Pause.

An der für unsere Gruppe  letzten Station, Station 1, trafen wir die Leute der Dattelner Feuerwehr, die uns erneut vor eine interessante Aufgabe stellten. Wir sollten eine weibliche, recht große und schwere Person auf einer Trage mit den Knoten Mastwurf und halbe Schläge so fixieren, dass wir sie durch unwegsames Gelände oder sogar per Kran transportieren konnten. Es war also Knotenkunde angesagt.  Unsere Hunde mussten auch hier abgelegt werden und auch bei etwas weiterer Entfernung des Hundeführers ruhig liegen bleiben. Auch das hat alles gut geklappt.

Etwas müde machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Einsatzfahrzeug, um dann endlich das ersehnte Kaffeetrinken auf dem alten Zechengelände mit den anderen Rettungshundekollegen zu genießen. Es wurden viele Erfahrungen ausgetauscht und immer wieder hat man festgestellt, dass alle Hunde, egal wie alt, gut durchgehalten haben und sich von ihrer besten Seite gezeigt haben!!!
Zum guten Schluss fand dann noch die Siegerehrung statt und zu unserer Freude der Gruppe haben wir mit 99 Punkten den 1. Platz belegt!   

Wir sagen DANKE an die Rettungshundegruppe des DRK Recklinghausen, die diesen sehr interessanten und schönen Tag für uns organisiert haben. Für eure 1. Ausrichtung der GTÜ war es super und natürlich das Daumendrücken  am Vortag hat super geholfen, denn das Wetter war den ganzen Tag sehr sehr sonnig.
Bis nächstes Jahr zur Ganztagsübung in Beckum/Warendorf freuen wir uns auf weitere viele gemeinsame Einsätze mit euch!

Für mich als Mitglied seit 2007 der Rettungshundestaffel Münster war dies die 2. GTÜ und ich muss sagen, es hat mir sehr viel Spaß gemacht, viele neue Informationen habe ich mit nach Hause gebracht und die Zusammenarbeit der Gruppen untereinander war mal wieder sehr interessant. Irgendwie sind wir doch alle gleich! Wir haben alle das Ziel, Menschenleben zu retten.