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09. März 10
Eine ganz besondere Partnerschaft: Das Mentorenprojekt
Patryk wurde in Polen geboren, er lebt seit sieben Jahren mit seiner Mutter in Deutschland. Der 16-jährige, der gut in Mathe und Technik ist, hat einen Traum: Er möchte diesen Sommer eine Ausbildung beginnen, als KFZ-Mechatroniker oder Anlagenmechaniker. Patryk weiß, wie wichtig eine gute Ausbildung für ihn ist, daher hat er vergangenen Herbst bereits ein 3-wöchiges Praktikum in einer Autowerkstatt in Münster gemacht – und ein hervorragendes Zeugnis mit nach Hause gebracht.
Doch der Weg zu einem Ausbildungsplatz ist kein einfacher, besonders wenn man als Schüler mit Migrationsvorgeschichte Probleme mit der deutschen Sprache hat. Das weiß auch Silvia Schauenberg. Die selbstständige Projektmanagerin steht Patryk seit vergangenem Oktober mit Rat und Tat zur Seite – ehrenamtlich. „Der Aufruf zum Mentorenprojekt des DRK-Kreisverbandes Münster, den ich in der Zeitung las, kam sprichwörtlich wie gerufen“ erzählt sie.

Seit dem 28. Oktober vergangenen Jahres sind Patryk und Schauenberg ein Schüler-Mentor-Tandem. Mindestens einmal wöchentlich treffen sie sich bei ihr zu Hause, denn dort gibt es einen PC mit Internetanschluss. Unbedingt notwendig für die gemeinsame Arbeit auf dem Weg zu einem Ausbildungsplatz für Patryk: Internetrecherche zum Ausbildungsberuf und geeigneten Firmen in der Umgebung nehmen viel Zeit in Anspruch. Die Bewerbung ist dafür schon so gut wie vorbereitet: Lebenslauf ist erstellt, Zeugnisse zusammengesucht, Fotos gemacht. Doch das ist nicht alles, was es braucht. Mentorin und Schüler üben zusammen Englisch, proben Bewerbungsgespräche, besuchen Firmen, die für Patryk in Frage kommen. Diese Besuche waren erfolgreich: Neben wichtigen Infos über die Anforderungen an den Ausbildungsplatz als Anlagenmechaniker - Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik hat Patryk ein einwöchiges Praktikum in einem Unternehmen sicher, welches für den Sommer Lehrlinge sucht. „Wenn ich dort arbeite, geht es um 7:15 morgens los, aber das finde ich richtig gut – das ist doch viel besser, als in der Schule zu sitzen“.
Patryk ist ein „kleiner Malocher“, über einen Ausbildungsplatz würde er sich sehr freuen. Doch die beiden haben auch einen Plan B ausgeklügelt. Sollte es keinen Ausbildungsplatz für Patryk geben, kann er ein Berufsgrundschuljahr am Hans-Böckler-Berufskolleg machen, angemeldet ist er bereits. Mentorin und Schüler sind zufrieden mit ihrer Partnerschaft. Nicht nur Patryk, auch Silvia Schauenberg profitiert: „Ich wusste gar nicht mehr, mit welchen Problemen Jugendliche zu kämpfen haben und Schüler, die nicht ihre ganze Kindheit in Deutschland verbracht haben, haben ganz besondere Probleme. Durch Patryk lerne auch ich eine Menge dazu“. Sie ist außerdem froh, dass auch Patryks Eltern ihn so gut unterstützen. „Das Mentorenprojekt ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“ resümiert Schauenberg. Dem stimmt Patryk dankbar zu.
Das Interview führte Jana Bouws.
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