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Digital geht's weiter - Planungsteam für die Autismus-Therapie in Corona-Zeiten

04. Juni 20

„Schön, dich videozusehen!" - Online-Beratung per Videochat für Menschen mit Autismus in Zeiten von Corona

Das DRK Münster startet ein von der Aktion Mensch gefördertes Projekt

Das Autismus-Therapiezentrum Münster und die Autismus-Ambulanz Dülmen sind mit einer Auftaktveranstaltung am 2. Juni 2020 in die aktive Phase des gemeinsamen Projektes „Online-Beratung per Videochat für Menschen mit Autismus in Zeiten von Corona" gestartet. Das von der ‚Aktion Mensch' geförderte Projekt richtet sich an autistische Menschen und deren Umfeld, denen im Rahmen von Online-Sprechstunden per Videochat individuelle Unterstützung angeboten wird. Die technischen Vorbereitungen laufen bereits seit April aber mit den ersten Online-Beratungen beginnt ab Juni die spannende Phase des Projektes.

Die Erfahrungen der beiden Therapieeinrichtungen haben gezeigt, dass die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen die natürlichen Rückzugstendenzen der Klientinnen und Klienten fördern. Auch gestalten sich therapeutische Telefonate häufig schwierig. Deutlich leichter geht das in einem Videogespräch, in dem beide Seiten die Reaktionen des Gegenübers sehen und diese dadurch besser deuten können. „So fühlen sich die Klientinnen und Klienten in den Gesprächen etwas sicherer und die Therapeutinnen und Therapeuten können auf sichtbare Irritationen eingehen" erläutert die Leiterin des Autismus-Therapiezentrums Nicole Roßbach.

DRK-Vorständin Hannelore Böhnke-Bruns freut sich bei der Auftaktveranstaltung über die Impulse für das DRK in Münster: „Mit diesem Projekt machen wir einen wichtigen Schritt, um unsere Online-Beratungen auszuweiten. Die Ergebnisse des Projektes werden sich mit Sicherheit auch positiv auf die digitale Kommunikation in unseren weiteren Angeboten auswirken!"

Geeignete Hardware wird nun angeschafft, Mitarbeitende geschult und barrierefreie Bedienungsanleitungen für die Klientinnen und Klienten erstellt. „Für dieses spannende Digitalisierungsvorhaben sind wir als Projektteam gut aufgestellt, um sowohl therapeutische Aspekte zu berücksichtigen als auch technische Herausforderungen zu lösen und alle Beteiligten gut einzubinden", so Projektleiter Andreas Völker. Gemeinsam mit Lisa Westendorf kümmert der Experte für digitale Kommunikation sich um die technische und organisatorische Umsetzung.

Therapiegespräche sind immer vertrauliche Situationen, weshalb im Rahmen des Projektes nicht einfach irgendein Messenger genutzt wird, sondern eine Plattform zur Anwendung kommt, die u.a. die Anforderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Videosprechstunden erfüllt. Die Software für die Videoberatung ist leicht zu bedienen und für die Klientinnen und Klienten und deren Familien kostenlos. Sie läuft ohne Installation einer App in allen Browsern, sowohl auf dem Computer als auch auf dem Smartphone oder Tablet.

Der innovative Ansatz des Projektes ist für Sebastian Arnold, den stellvertretenden Leiter der Autismus-Ambulanz Dülmen, ein wichtiger Schritt: „Gerade in Zeiten von Corona können wir den Menschen, die sonst persönlich zu uns kämen, Mut machen. Sie bleiben mit ihrer Umwelt in Kontakt und gestalten aktiv ihre Teilhabe an der Gesellschaft, die sich gerade massiv verändert!"

Nicole Roßbach zeigt am Ende der Auftaktveranstaltung auch die Perspektiven auf: „Das neue Konzept kann dauerhaft eine Entlastung für Klientinnen und Klienten bieten, denen ein regelmäßiges Aufsuchen der Ambulanz schwerfällt oder die in Krisenzeiten eine unmittelbare Unterstützung benötigen." Grundsätzlich werden die Videosprechstunden das Angebot aber nur ergänzen, das ambulante Konzept werde natürlich beibehalten. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig es den Klientinnen und Klienten ist, in die therapeutischen Einrichtungen zu kommen und regelmäßige Kontakte zu erleben, so Roßbach abschließend.

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