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10. August 21

Vernetzung vor Ort für den Kinderschutz in Münster

Florian Jung (Zartbitter Münster e.V.), Ewa Bäumer (Deutscher Kinderschutzbund Münster e.V.), Susanne Egerding (DRK-Kinderschutzambulanz Münster) und Carolin Ischinsky (Schulamt für die Stadt Münster) beim gemeinsamen Pressegespräch am 10. August 2021 (von links nach rechts, Foto: DRK/A.Völker)

Florian Jung (Zartbitter Münster e.V.), Ewa Bäumer (Deutscher Kinderschutzbund Münster e.V.), Susanne Egerding (DRK-Kinderschutzambulanz Münster) und Carolin Ischinsky (Schulamt für die Stadt Münster) beim gemeinsamen Pressegespräch am 10. August 2021 (von links nach rechts, Foto: DRK/A.Völker)

Neue Initiative für schulische Kinderschutzkonzepte

Das Thema „Schulen gegen sexualisierte Gewalt" ist nicht erst seit der Aufdeckung des Missbrauchskomplexes in Münster ein Thema, das die Akteure vor Ort beschäftigt. Um Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen etwas entgegenzusetzen, fand im vergangenen Schuljahr in Münster das Pilotprojekt „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Auf dem Weg zu einem schulischen Schutzkonzept." statt.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass sich alle mit dem Thema befassten regionalen Akteure zusammengeschlossen haben, um ein Präventionsnetzwerk aufzubauen. Die Schulaufsicht, die Schulpsychologie, der Kommunale Sozialdienst des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster und die drei zentralen Fachberatungsstellen der Präventions- und Interventionsarbeit in Münster – der Kinderschutzbund, Zartbitter Münster e.V. und die Ärztliche Kinderschutzambulanz des DRK – erarbeiten zusammen eine lokale Präventionsstrategie. Im Kampf gegen sexualisierte Gewalt nehmen sie dabei vor allem die schulische Prävention in den Blick. „Wir wollen aber nicht nur punktuell fortbilden, sondern deutlich umfassender wirken", erklärt Susanne Egerding von der DRK-Kinderschutzambulanz. „Im Sinne eines nachhaltigen und ganzheitlichen Präventionskonzepts an den Münsteraner Schulen können dann flächendeckend alle Kinder und ihre Erziehungsberechtigten erreicht werden", so Egerding weiter.

Ausgangspunkt für die besondere Kooperation war die Bundesinitiative Schulen gegen sexuelle Gewalt. „Wir wollten die Schulen in diesen Prozessen nicht alleine lassen, sondern fachlich unterstützen", so Ewa Bäumer vom Kinderschutzbund Münster. Hinzu kam die Überzeugung aller Kooperationspartner*innen, die Verantwortung für den Schutz der Kinder und Jugendlichen primär bei den Erwachsenen und den Institutionen zu verorten und diese zu stärken. „Die Idee, eine gemeinsame Fortbildungsreihe für schulische Steuerungsgruppen zu entwickeln, war geboren", so Bäumer weiter, „der Blick aus mehreren Perspektiven sollte den Schulen zugutekommen".

Dabei war es allen ein Anliegen Schulen auf dem Weg zur Entwicklung eines
Schutzkonzeptes zu begleiten und damit einen nachhaltigen Prozess zu initiieren. „Ein solches Schutzkonzept zu entwickeln, bedeutet für die Schulen, dass sie langfristig und gemeinsam mit der gesamten Schulgemeinde daran arbeiten müssen", so Schulamtsdirektorin Carolin Ischinsky. „Mit unserer Pilot-Fortbildungsreihe wollten wir den Schulteams einen Überblick über die Thematik geben und bei den ersten Schritten auf dem Weg zu einem Schutzkonzept begleiten", so Ischinsky weiter. Fünf Schulen nahmen an dem Pilotprojekt teil.

Münster kann in Sachen Kinderschutz auf ein umfassendes und breit aufgestelltes Unterstützungsnetzwerk und Beratungsangebot zurückgreifen. „Eine Vielfalt, die jedoch für Schulen zuweilen undurchsichtig und nicht leicht zu differenzieren war", erläutert Florian Jung von Zartbitter. „Unser Zusammenschluss brachte eine verbesserte Beratung von Schulen, da Überschneidungen und Trennschärfe unserer verschiedenen Angebote deutlich wurden", so Jung weiter. Erste Schritte auf dem Weg zu einem schulischen Schutzkonzept sind gegangen worden. Sollte auf dem weiteren Weg Beratung oder Hilfe notwendig sein, kennen die Schulen die konkreten Ansprechpartner*innen nun persönlich und können jederzeit Kontakt aufnehmen.

Aufgrund des Antrags von Petra Delphendahl und Eva Lessin, ihrer Nachfolgerin bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle, konnte das Pilotprojekt über die Landesstelle Schulpsychologie und Schulpsychologische Krisenintervention (LaSP) finanziert werden. Um für alle Schulen in der Stadt Münster ein Fortbildungsangebot anbieten zu können, arbeitet die Schulverwaltung aktuell ein Förderprogramm aus, das den politischen Gremien der Stadt Münster im Herbst zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Um das Fortbildungsangebot in einem Förderzeitraum von acht Jahren nachhaltig umzusetzen, muss vor allem dessen Finanzierung in Höhe von 28.800 € gesichert werden. Dann können dem politischen Bekenntnis zu mehr Kinderschutz und Prävention auch konkrete Taten folgen.

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