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Über Autismus

Autismus wird medizinisch durch die „Internationale statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet. Diese gelten als angeboren, zeigen sich erst im Laufe der Zeit und beeinflussen die Person in ihrer Gesamtheit. Kennzeichnung für den Autismus sind Auffälligkeiten in folgenden Bereichen:

Soziale Interaktion

Die Betroffenen zeigen Auffälligkeiten in sozialen Beziehungen, mit einem geringen Interesse für die Befindlichkeiten oder die Bedürfnisse ihres Gegenübers. Zumeist verfügen sie nur über geringe Fähigkeiten, Emotionen bei anderen Menschen und sich selbst wahrzunehmen sowie eigene Gefühle adäquat einzuordnen.

Verbale und nonverbale Kommunikation

Die Sprachentwicklung verläuft zumeist auffällig. Sie sprechen auffallend früh oder die Sprachentwicklung verzögert sich oder bleibt aus. Auch auffällige Sprachmodulation und die wiederholte Nutzung der immer selben Worte oder Sätze kommen vor. Autistische Menschen sind nur schwer in der Lage nonverbale Signale ihres Gegenübers zu erkennen oder zu deuten.

Interessen

Die Interessen und Aktivitäten sind zumeist sehr eingeschränkt, was sich in immer wiederkehrendem Spiel oder auch ständiger Beschäftigung mit einem bestimmten Thema oder Objekten zeigt. Sie bevorzugen wiederkehrende Rituale, Handlungen und Abläufe, die ihnen Vorhersehbarkeit und Sicherheit bieten, für ihre Familien aber oft eine hohe Belastung bedeuten. Bisher wurde Autismus durch die "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" (ICD-10) diagnostisch unterteilt in:

  • frühkindlicher Autismus (F84.0)
  • atypischer Autismus (F84.1)
  • Asperger Syndrom (F84.5)

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass es eine große Bandbreite in der Verteilung autistischer Besonderheiten gibt, die von leichten autistischen Verhaltensweisen bis hin zum Vollbild des Autismus reichen. Alle Formen des Autismus werden als Varianten innerhalb eines weiten Spektrums begriffen. Daher werden die alten Klassifizierungen durch den umfassenderen Begriff „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) abgelöst.

Ursachen

Die Ursachen des Autismus sind bislang nicht vollständig geklärt. Die Wissenschaft geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zur Entstehung beitragen. Genetische Einflüsse und hirnorganische Veränderungen gelten als belegt. Eine polygenetische Ursache wird angenommen. Zudem geben Ergebnisse aus Zwillingsstudien Hinweise darauf, dass prä-, peri- und postnatale Bedingungen Einflüsse auf die Entwicklung von Autismus haben.

Unser Menschenbild

Wir verstehen und erleben Autismus als eine besondere Form der Wahrnehmungs- und Reizverarbeitung, die viele Ressourcen beinhaltet, welche konstruktiv und für die Betroffenen stärkend im therapeutischen Prozess genutzt werden können. Für uns macht jedes Verhalten, welches ein Mensch mit autistischen Verhaltensweisen zeigt, einen Sinn für den Betroffenen. Es ist Ausdruck seiner individuellen Bewältigung von Strukturen, die ihn überfordern.

Im Internet findet man einige Beiträge von Asperger-Autist*innen, die ihr Empfinden als „Oops, wrong planet" beschreiben. Sie kämen sich vor, als wären sie auf einem Planeten gelandet, dessen Sprache, Regeln und Bewohner sie nicht verstehen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, den Betroffenen und dessen Umfeldern ein besseres Verständnis und eine gute Integration der Besonderheiten zu ermöglichen. Dabei übernehmen wir eine Art „Dolmetscherfunktion", um beide Seiten zu einer besseren Verständigung zu führen. In der Therapie und der Beratung entsteht ein Dialog zwischen Klient*in, Therapeut*in und Bezugspersonen, der sowohl die Möglichkeit zur Auseinandersetzung und zur Beziehungsgestaltung bietet, als auch die Fähigkeit zur Anpassung auf beiden Seiten fordert.

Zwar ist die Verwendung des Begriffs „Autismus-Spektrum-Störung" fachlich korrekt, doch etwas, was als Störung bezeichnet wird, ist nach unserem Verständnis nicht erwünscht. Wir vermeiden daher bei unserer Arbeit bewusst die Verwendung des Störungsbegriffs, da er sich nicht mit unserem Verständnis der autistischen Besonderheiten deckt.

Infos

Kontakt

Nicole Roßbach

Leiterin
nicole.rossbach@drk-muenster.de
Tel: 0251 - 37 88 64
Fax: 0251 - 37 88 55

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