Direkt zum Inhalt springen 

Hauptnavigation

Zurück zur Übersicht

04. August 18

"Feuerwehr fährt nur noch im Notfall" - Stellungnahme der vier Hilfsorganisationen

Zum WN-Bericht vom 02.08.2018: Feuerwehr fährt nur noch im Notfall

Selbstverständlich freuen wir uns als Münsteraner Hilfsorganisationen, dass zumindest drei von uns auch in den nächsten 4 Jahren in den Krankentransport der Stadt Münster eingebunden sein werden. Dies ist jedoch nichts Neues, schon seit Jahrzehnten wird ein wesentlicher Teil des Krankentransports für die Stadt Münster durch uns Hilfsorganisationen erbracht. Dass dies nun auch nach dem letzten Ausschreibungsverfahren so fortgesetzt wird, ist richtig und wichtig.

Sofern der Bericht über dieses Ausschreibungsverfahren nun jedoch den Eindruck vermittelt, damit seien alle Probleme des Rettungsdienstes in Münster gelöst, ist dies leider nicht so:

Der Krankentransport, und nur um diesen geht es hier, ist nur ein kleiner Teilbereich des Rettung-sdienstes und im Rahmen der Gefahrenabwehr eher untergeordnet. Seit vielen, vielen Jahren be-mühen sich die Münsteraner Hilfsorganisationen um eine Beteiligung auch in der Notfallrettung, die in Münster im Gegensatz zu allen umliegenden Kreisen bis heute ganz ausschließlich nur durch Beamte der Berufsfeuerwehr erbracht wird. Während im Krankentransport „nur“ liegende Patienten ins Krankenhaus oder zurück nach Hause transportiert werden, die auch während des Transportes einer medizinischen Betreuung bedürfen, umfasst die Notfallrettung den Einsatz von Rettungswagen (RTW) in der Primärrettung. Von den Hilfsorganisationen wird erwartet, dass diese solche Rettungswagen vorhalten und im Bedarfsfalle mit eigenem Personal besetzten, wenn entweder die Feuerwehr an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, besondere Einsatzlagen zusätzliche RTW erfordern oder große Veranstaltungen in Münster abzusichern sind. Dementsprechend haben die HiOrgs z.B. sieben zusätzliche RTW während des Kirchentages gestellt, fünf RTW werden das anstehende Stadtfest absichern, im Rahmen der im Bericht angeführten Amok-Fahrt sind fünf RTW der HiOrgs im Einsatz gewesen und tagtäglich stehen sie zur Absicherung auf zahlreichen anderen Sanitätsdiensten wie dem Münster Marathon, den Preußenspielen, Reitturnieren, Karnevalsumzügen, Konzertveranstaltungen usw. Im Falle von größeren Schadenslagen im Stadtgebiet besetzten die RTW der HiOrgs die Rettungswachen der Feuerwehr und entlasten und unterstützen die dortigen Kollegen im Einsatz.

All dies wird von den Münsteraner Hilfsorganisationen bislang ausschließlich ehrenamtlich erbracht. Die Anforderungen an die Aus- und Fortbildung der RTW-Besatzungen sind jedoch immer höher ge-worden, gesetzlich gefordert sind dort inzwischen Notfallsanitäter. Und wer eine dreijährige Vollzeitausbildung zum Notfallsanitäter durchlaufen hat, möchte in diesem Beruf auch arbeiten und sein Geld verdienen. Dies ist bei den Münsteraner Hilfsorganisationen jedoch bis heute nicht möglich, da diese von der Stadt Münster in die (hauptamtliche) Notfallrettung nicht eingebunden werden. Vor Jahren bereits gab es einen Beschluss des Rates der Stadt Münster mit dem Auftrag an die Berufsfeuerwehr, die Möglichkeiten einer solchen Einbindung auch der HiOrgs zu prüfen und umzusetzen. Inzwischen sind auf europäische Ebene sogar die hierzu notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen worden, die eine Vergabe von Rettungsdienstleistungen auch außerhalb eines Ausschreibungsverfahrens direkt an die gemeinnützigen Hilfsorganisationen ermöglichen, um diese für den Bereich der Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes zu stärken. Umgesetzt wurde hiervon in Münster gleichwohl bis heute nichts.

Die Hilfsorganisationen verlieren in Ermangelung einer beruflichen Perspektive ihr ehrenamtliches Personal, welches in die umliegenden Kreise abwandert, da dort die Hilfsorganisationen schon seit vielen Jahren selbstverständlich auch in die Notfallrettung eingebunden sind. Die Münsteraner HiOrgs werden mittelfristig ihre RTW nicht mehr besetzten können, sie werden bei Großschadenslagen, größeren Veranstaltungen im Stadtgebiet oder den zahlreichen Sanitätsdiensten diese Leistung nicht mehr erbringen können. Und ohne diese ehrenamtliche Unterstützung der HiOrgs in der Notfallrettung, der Gefahrenabwehr und dem Katastrophenschutz wird der Rettungsdienst in Münster nicht ausreichend aufgestellt sein. Dies möchte im Grunde doch niemand, weder die Verwaltung, noch der Münsteraner Bürger.

Das stärkste Argument für eine Einbindung der HiOrgs auch in die Notfallrettung hat Feuerwehr-Chef Gottfried Wingler-Scholz mit seinem Zitat im Bericht der WN vom 02.08.2018 letztendlich selbst gebracht: „Mitarbeiter, die eine Notfallsanitäterausbildung absolviert haben, sind für Krankentransporte überqualifiziert.“ Ganz genau! Und daher freuen wir uns zwar über die fortgesetzte Einbindung in den Krankentransport, dies löst jedoch unsere Probleme in der Notfallrettung nicht ansatzweise.

Bündnis der Münsteraner Hilfsorganisationen „Gemeinsam für Münster“

André Weber, Vorstandsvorsitzender ASB Regionalverband Münsterland e.V.
Gudrun Sturm, Vorständin DRK-Kreisverband Münster e.V.
Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand JUH Regionalverband Münsterland/Soest Münster
Kai Flottmann, Geschäftsführer MHD Stadtverband Münster

Infos

Jetzt Mitglied werden